UNTERBAUCHSCHMERZ
chronischer Unterbauchschmerz
Als Un terbauch wird der Bereich unterhalb der Verbindungslinie beider oberer Darmbeinstachel und oberhalb der Leistenbänder und der Symphyse bezeichnet. Er wird durch 2 Vertikallinien auf Mitte der Ligamente unterteilt in die unpaare mediale Regio pubica und eine rechte u. linke Regio inguinalis. (nach Roche)
Von einem Unterbauchschmerz (chronischer) sind zu 80% Frauen und nur zu 20% Männer betroffen. Dies liegt daran, daß bei der Frau auch die inneren weiblichen Geschlechtsorgane wie Eierstöcke, Eileiter und die Gebärmutter im Unte rleib liegen. Sind diese Organe in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt, verursachen sie Beschwerden.
Ein akuter (= plötzlich einsetzender) Unterbauchschmerz bedarf der sofortigen fachärztlichen Abklärung und Behandlung (Chirurgie, Urologie, bei Frauen auch Gynäkologie).
Insgesamt dürften für einen chronischen Unterbauchschmerz
hauptsächlich Verwachsungen bzw. Adhäsionen
verantwortlich sein. Vorangegangen ist eine Bau choperation, meist
aber mehrere. Es liegen entzündlich bedingte, flächenhafte oder
strangförmige, nach Verklebung durch Fibrin entstandene, bindegewebige
Verwachsung aneinanderliegender, Serosa- (= Hüllschicht)
überzogener Organabschnitte vor.
Beim Unterbauchschmerz aufgrund von Verwachsungen (Adhäsionen) besteht die große Gefahr, daß mit jedem weiteren operativen
Eingriff die Verwachsungen weiter zunehmen und so das Krankheitsbild verstärken
und einer fortschreitenden Chronifizierung Vorschub leisten.
Eine relativ häufige Schmerzursache ist die sog. Pelvipat hie. Dieser Begriff steht für einen chronischen (= länger als sechs Monate anhaltenden) Unterbauchschmerz bei Frauen. Weitere gebräuchlichen Bezeichnungen sind:
Pelvipat hia,
chron ic pel vic pain (CPP) und
Hysteralg ie.
Die häufigsten Ursachen für einen chronischen Unterbauchschmerz im Rahmen einer Pelvipat hie sind:
Adhäsionen (= entzündlich bedingte, flächenhafte oder strangförmige bindegewebige Verwachsung aneinanderliegender Organabschnitte),
Myome (= gutartiges Muskelzellengeschwulst) und
Endometriose (= gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut).
Ein einseitiger oder auch beiderseitiger Unterbauchschmerz kann aber auch bei weiteren Erkrankungen auftreten.
Wenn ein Unterbauchschmerz beiderseits auftritt, so müssen differentialdiagnostisch (= was als Ursache für einen Unterbauchschmerz alles in Frage kommen könnte) folgende Erkrankungen in Erwägung gezogen werden:
Harnwegsinfektion wie z.B. Blasenentzündung, Harnleiterentzündung
Beckenniere (eine Nierenfehlbildung)
Entzü ndung der Eierstöcke und Eileiter (Adnexitis)
Verwachsungen von Eierstöcken nach Gebärmutterentfernung
Krampfadern im Bereich der Beckenvenen (Pel vic Congestion)
Entzündliche Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
Affektionem (= Störungen, Erkrankungen) der Bla se
Tritt der Unterbauchschmerz einseitig auf, so müssen diese Erkrankungen ausgeschlossen werden:
Blinddarmentzündung
eingeklemmter Leis tenbruch
Abszess (= Eiteransammlung) im Lendenmuskel
Eileiterschwangerschaft
Nierensteine
N ierenbeckenentzündung
Entzündliche Ausstülpungen der Darmwand (Divertikulitis)
Auch ein Tumor kann zu einem ein- oder beiderseitigen Unterbauchschmerz führen.
Schließlich können sich hinter einem chronische n Unterbauchschmerz auch Veränderungen an der Wir belsäule, wie zum Beispiel Abnutzungserscheinungen verbergen.
Schmerztherapie bei einem Unterbauchschmerz (chronischer (= länger als drei Monate anhaltende))
Nicht selten verbleibt trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin ein Unterbauchschmerz, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten. Ein länger bestehender, chronischer Unterbauchschmerz erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Beim chronische n Unterbauchschmerz sind dies:
Information über die Erkrankung
Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, evtl. auch Spasmolytika (= Mittel gegen Krampfzustände), schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
Bei Beteiligung der Wir belsäule auch Chirotherapie
Therapeutische Lokalanästhesie beim chronische n Unterbauchschmerz
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte Triggerpunktbehandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Unte rbauch infiltriert.Eine sehr hilfreiche und effektive Therapiemethode ist
bei Unterbauchschmerz (chronischer) die kontinuierliche epidurale (= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter.Wirkung und Ausmaß einer lumbalen (=
den Lend
enbereich betreffenden) epiduralen Blockade kann
individuell mittels Lokalanästhetikamenge (=
Betäubungsmittelmenge)
und -konzentration so gesteuert werden, daß
die Schmerzreize aus dem gesamten Bau chraum bei weitgehend erhaltener Motorik
(= Muskelkraft) blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den
Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie weiter frei bewegen
können.
Bei der sog. kontinuierlichen epiduralen Blockade
(=
Betäubung)
mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom
Rüc ken
her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt
durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht
"aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter
mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten
Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den
Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer
Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der
hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko als vertretbar eingestuft
werden.
Bei einem tumorbedingten Unterbauchschmerz kann diese Blockademethode auch angewendet werden, allerdings wird man auf das örtliche Betäubungsmittel verzichten, da in diesem Falle eine gefässerweiternde Wirkung unerwünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigt. Mit einer Morphin-Lösung läßt sich ebenfalls eine gute, schmerzstillende Wirkung erzielen.
Wenn ein chronischer Unterbauchschmerz längerfristig besteht, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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